Inhaltsverzeichnis

Hat Energie Geschichte?

Die Energiewirtschaft als gesellschaftliches Naturverhältnis

Daniela Ruß

Kernanliegen

Zusammenfassung

Auf den ersten Blick handelt es sich bei Energie um eine natürliche Tatsache, die nicht denselben gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen ist, wie andere wirtschaftliche Größen: Während der Preis auf unserer Stromrechnung in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Ereignissen schwankt, bleibt der Energieverbrauch selbst davon unbeeinflusst. Die energetische Kapazität der von der Bundesregierung geplanten neuen Gaskraftwerke lässt sich leichter vorausplanen, als die Kosten, zu denen sie letztendlich gebaut werden. Energie erscheint als eine natürliche Größe und Grenze wirtschaftlichen Handelns. Auf den zweiten Blick ist jedoch nicht klar, in welchem Sinne Energie ’natürlich’ ist: Menschen haben keinen natürlichen Sinn für Energie – die Dinge, die wir heute als Energien bezeichnen, sind phänomenologisch viel zu unterschiedlich, um sie als dasselbe zu erleben (man denke an einen Wasserfall, Sonnenstrahlung und einen Klumpen Kohle). Darüber hinaus haben menschliche Gesellschaften sich lange gewärmt, sich ernährt und bewegt, ohne all diese Tätigkeiten unter einen quantifizierten Begriff der Arbeitsfähigkeit zu fassen. Wenn die wissenschaftliche und wirtschaftliche Erfahrung von Energie historisch und gesellschaftlich bedingt ist, stellt sich aber die Frage, wie und warum Gesellschaften beginnen, ihre Umwelt unter dem Aspekt der Arbeitsfähigkeit zu begreifen. Der Vortrag entwickelt eine sozialwissenschaftliche und wirtschaftssoziologische Perspektive auf die Entstehung der Energiewirtschaft von der Wasserkraft bis zu Stromnetzen.

Literaturempfehlungen


Vortrag am 11. Dezember 2025 — Ringvorlesung im Wintersemester 2025/26